VHS-Chefin Christin Eschmann im PUBLIC-Interview

Mit Einfühlungsvermögen und Erfahrung voraus!

 

Christin Eschmann ist die neue Geschäftsführerin der VHS Hildesheim. Was treibt sie dabei an? Was hat sie vor? Und welchen Song hört sie, wenn es ihr nicht so gut geht? Public-Autorin Lina Wölfel hat nachgefragt. 

PUBLIC: Wie fühlt es sich denn an, die neue Geschäftsführerin der VHS zu sein?

Christin Eschmann: Es fühlt sich echt gut an. Ich bin noch in der Findungsphase, würde ich sagen – also immer noch dabei, mich hier einzuarbeiten. Es ist doch sehr komplex und anders als man sich das vielleicht im Vorfeld vorgestellt hat. Ich war durch meine Arbeit als Assistenz vorher schon sehr nah dran, aber es ist ein ganz anderes Pfund, wenn man dann selber hier auf dem Stuhl sitzt und die Entscheidungen treffen muss.

Und worauf freuen Sie sich am meisten jetzt – in der neuen Position?

Ich freue mich einfach, die Volkshochschule weiter voranzubringen, mit den Mitarbeitenden gemeinsam, voller Elan und Motivation weiter voranzukommen. Ich möchte tolle, neue Angebote für die Bürgerinnen und Bürger bereitstellen. Einfach eine gute Volkshochschule in Stadt und Landkreis aufzubauen und weiter voranzubringen.

Sie sind ja auch schon seit 2018 an der VHS. Wie sind Sie denn überhaupt an die VHS gekommen?

Ich habe mein Masterstudium hier an der Uni absolviert, in Sozial und Organisationspädagogik, und habe dann 2018, kurz bevor ich dann meine Masterarbeit abgegeben habe, ein bisschen geschaut: Wo kann ich denn so hin nach dem Master? Die Volkshochschule hatte zu dem Zeitpunkt eine Stelle für eine Projekt Mitarbeit ausgeschrieben. In dem Projekt ging es darum, deutschen Muttersprachler:innnen das Lesen und Schreiben beizubringen. Ich fand es super spannend, diese Zielgruppe auch mal in den Blick zu nehmen. Und dann, wie der Zufall es so will, ist ein Jahr später die Stelle der Abteilungsleitung für Projekte und Drittmittel freigeworden und der Assistenz – das ist eine Kombistelle. So bin ich Schritt für Schritt alle Stationen mal durch.

Was nehmen Sie aus den Erfahrungen, die Sie in anderen Positionen innerhalb der gleichen Institution gemacht haben, mit?

Ich nehme mit, dass ich wirklich viele verschiedene Ebenen des Hauses und der Arbeit der Volkshochschule kenne. Also nicht nur die rein strategische Arbeit von oben, sondern tatsächlich die Menschen, die hier arbeiten. Ich glaube, das ist von Vorteil, wenn man weiß, wie der Hase läuft. Ich kenne die Mitarbeiter:innen und habe eine Beziehung zu ihnen.

Welche Rolle spielt denn für Sie die VHS für Sie ganz persönlich?

Ich wollte schon immer was Soziales machen. Ich bin vom Inneren heraus so ein Mensch, der andere unterstützen möchte. Und wer kann das besser tun als die Volkshochschule? Wir helfen anderen dabei, in ihren beruflichen Kompetenzen weiterzukommen, Sprachen zu lernen oder erreichen mit unseren Projekten neue Zielgruppen. Wir begleiten zum Beispiel arbeitssuchende Personen zurück auf den Weg in den Arbeitsmarkt. All diese Dinge spielen für mich persönlich eine ganz große Rolle, weil das meine persönliche Motivation ist. Und vielleicht auch ein bisschen das, warum ich denke, dass ich hier bin.

Und welche Rolle spielt die VHS für Hildesheim?

Ich glaube schon, dass die Volkshochschule eine ganz große Rolle für die Bevölkerung in Stadt und im Landkreis spielt, weil sie einfach dafür da ist, all die Herausforderungen, die die Gesellschaft gerade zu bewältigen hat, zu begleiten und zu unterstützen. Zu zeigen, wie wir mit den aktuellen Problemen umgehen können. Alternativen zu herkömmlichen Bildungsangeboten zu bieten. Der Grundgedanke der Volkshochschule ist auch die Demokratievermittlung – was ja aktuell wichtiger denn je ist, wenn man so in das Weltgeschehen blickt. Auch wenn wir uns überlegen, dass 620.000 Leute in Niedersachsen, auch Deutsche, nicht lesen und schreiben können. Wir als Volkshochschule sind da in der Verpflichtung, diese Menschen mitzunehmen, dass sie an der Gesellschaft teilhaben können.

Wenn Sie jetzt mal Ihre Zukunftsvisionen für die Volkshochschule in Hildesheim in fünf Wörtern beschreiben müssten, welche Wörter würden Sie dafür nehmen?

Das ist eine gute Frage. Vielleicht flexible digitale Bildungsangebote?

Dann reichen sogar schon drei.

Ja, das ist super. Je unkomplizierter, desto besser!

Wovor haben Sie denn aber am meisten Respekt? Wo sagen Sie Uff, das wird eine Herausforderung in der neuen Position?

Also am meisten Respekt habe ich tatsächlich vor der Erreichung der Zielgruppe, dass wir nicht aus den Augen verlieren, wen wir ansprechen. Dass wir weiterhin in den Köpfen der Leute präsent bleiben. Ich glaube schon, dass es vielleicht bei der älteren Generation eher so war, dass sie an die Volkshochschule gedacht haben, wenn sie sich weiterbilden oder in ihrer Freizeit etwas machen wollten. Ich habe ein bisschen Sorge davor, dass es bei der jüngeren Generation nicht mehr so ist. Vielleicht auch weil viele nicht wissen, wie vielfältig unser Angebot inzwischen ist – von Sprachkursen über Yoga bis hin zu Theaterangeboten und beruflicher Weiterbildung. 

Und wie wollen Sie die junge Generation erreichen?

Ich glaube, dass das Thema Marketing einfach einen ganz großen und wichtigen Stellenwert einnehmen muss. Dass wir mit der Zeit gehen – auch, was Social Media angeht. Außerdem müssen wir an den Schulen schon jetzt präsent sein. Zeigen, was der Mehrwert an der Volkshochschule ist, das man gemeinsam etwas neues lernen kann.

Was natürlich auch dann im Gegensatz zu zum Beispiel YouTube Videos steht, wo man dann vielleicht kostenlos Dinge lernen kann. Aber der Unterschied ist, dass man eben zusammen lernen kann?

Erstens das und man kann sich sicher sein, dass man tatsächlich qualifizierte Lehrkräfte hat, die einem das beibringen, was ja bei YouTube vielleicht nicht immer so der Fall ist. 

Haben Sie selbst mal VHS Kurse besucht?

Bisher noch nicht.

Aber haben Sie vor, welche zu besuchen?

Ja, auf jeden Fall. Ich würde wirklich gerne Gebärdensprache lernen.

Was war Ihr einschneidendes Erlebnis in Ihren Berufsjahren bisher an der VHS?

Ich glaube, die Organisation der Hundertjahrfeier 2019. Da habe ich sehr viel gelernt, weil ich die Feier fast alleine organisiert habe.

Und wenn wir jetzt mal so ein bisschen in die Zukunft mit Ihnen als Geschäftsführerin schauen, was planen Sie denn ganz konkret? Wie darf man sich die VHS unter Ihrer Geschäftsführung vorstellen?

Also erstmal muss ich sagen, dass wir ganz gut aufgestellt sind. Frau Rudolph hat die VHS wirklich gut vorangebracht – vor allem, was die interne Strukturen angeht. Es ist mein Ziel, das erst mal so weiterzuführen. Das habe ich auch den Mitarbeiter:innen so kommuniziert. Das bedeutet auch, flexiblere Angebote im Hinblick auf Berufstätige zur Verfügung zu stellen. Auch, was politische Bildung angeht, wo die Angebote manchmal erst nicht so attraktiv wirken – aber gerade die sollen Lust machen, daran teilzunehmen. Wir haben jetzt schon eine Reihe „Ich nehm dich mit in meine Stadt“, wo Stadtführer aus Tel Aviv zum Beispiel vor Ort eine Stadtführung gemacht haben, und man selber konnte sich online zuschalten und digital durch die Stadt mitgehen. Also niedrigschwellige Angebote, wie auch Whisky Tastings – dann aber auf Englisch um die Sprachkompetenzen interessant zu verbessern.

Gibt es da schon konkrete Formate oder neue Kurse, die fürs nächste Semester in der Planung sind?

Ja, im Sprachbereich. Wir haben im September die Europäische Sprachen Woche, da kann man in ganz viele europäische Sprachen reinschnuppern – auch in kleinere Sprachen, wie zum Beispiel isländisch.

Wenn Sie als Geschäftsführerin eine Superheldin wären, was wären Ihre Superkräfte?

Meine Superkräfte wären, glaube ich, dass ich meine Mitarbeitenden mitnehmen kann. Dass ich meinen Mitarbeiter:innen motiviert als Vorbild vorangehe. Dass ich mutig bin. Auch einfach mal Sachen ausprobieren, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich erscheinen. Und tatsächlich meine strukturierte und organisierte Art.

Haben Sie einen Lieblingsspruch?

Klingt jetzt vielleicht ein bisschen simpel, aber: Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. Dass man nicht nur auf das Oberflächliche achtet, sondern ein bisschen tiefer blickt und sich Zeit dafür nimmt, die Leute kennenzulernen und zu schauen, was dahintersteckt. 

Wenn es Ihnen nicht so gut geht und Sie einen Song anmachen müssten, damit Ihre Stimmung hochgeht, welcher Song wäre das?

Irgendwas Rockiges? Ich glaube „Thunder“ von Imagine Dragons. Dazu kann man gut die Wut rauslassen.

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