Terry Hoax melden sich zurück
Hart aber herzlich …. Die Flamme brennt noch
Terry Hoax melden sich mit neuem Album zurück. Ihre erfolgreichste Single war ein Cover des Depeche-Mode-Songs „Policy Of Truth.
14 Jahre nach ihrer letzten Studioplatte wollen Terry Hoax mit „Band Of The Day“ wieder Gänsehaut erzeugen. Mitte der 90er galt das Quintett aus Hannover als die deutsche Rockhoffnung. Als Sänger Oliver Perau seine alten Kollegen nach langer Zeit wieder anrief, machte das große Raunen die Runde. Man sollte sich nicht scheuen, einer groß angekündigten Reunion mit großen Erwartungen zu begegnen. Die erste Singleauskopplung „Band Of The Day“ entpuppt sich jedenfalls als knackig-straighter Rocker mit jeder Menge Drive und einem Refrain, der sofort hängen bleibt.
Die erste Probe empfand Perau als Zeitreise – allerdings mit Folgen. „Es klang sofort wieder nach Terry Hoax. Für mich war es vor allem reizvoll, mit den Jungs neues Material zu schreiben.“ An seiner Seite agiert heute Jens Gallmeyer von der besonders in Japan erfolgreichen Punkband Gigantor. Eigentlich sollte er nur Ersatzgitarrist sein, falls einer der beiden Wichary-Brüder mal verhindert ist. „Ich wollte ihn emotional etwas mehr einbinden, indem ich mit ihm gemeinsam einen Song schrieb. Daraus wurden schließlich zahlreiche neue Stücke. Schlussendlich haben Jens und ich das Album sogar zusammen produziert.“ Die zwölf neuen Nummern sind allesamt Paradestücke für Oliver Peraus prickelnde Stimme über wuchtigen Gitarrenakkorden und pulsierendem Bass. Mit ihrem mehrheitsfähigen Sound werden sie den Weg in jede gute Stube finden. Das Live-Comeback der Band fand bereits letztes Jahr im Vorprogramm der Abschied nehmenden Fury In The Slaughterhouse statt. Mit viel Leidenschaft, schnörkellosem Rock'n'Roll und einigem Pathos haben Terry Hoax neue und alte Fans begeistert. Ihr Frontmann besitzt immer noch diese nur ihm eigene Wirkung auf das Publikum, vielleicht mehr als irgendein anderer deutscher Sänger seiner Generation.
Die teils ruppige, teils melancholisch gefärbte Gitarrenmusik brachte der Band von Anfang an viel Kritikerlob ein. Perau wurde gar als neuer Jim Morrison made in Germany gehandelt. Heute lacht der mittlerweile 40-Jährige ein bisschen über seine damalige Morrison-Phase. „Aber mit einer leicht ironischen Distanz lassen sich die Doors noch immer gut hören. Sie sind der perfekte Soundtrack der späten unruhigen Sechziger in den USA.“ Wenn er heute jedoch einen Sänger als Vorbild unbedingt herausgreifen müsste, dann wäre das Sammy Davis Jr. „Etwas in seiner Stimme berührt mich sehr. Dieser 1,55 Meter große Mann mit der Kraft eines ganzen Orchesters war der erste Schwarze, der in den großen amerikanischen Casinos auftreten durfte. Anfangs musste er nach jedem Konzert wieder zurück ins Ghetto. Irgendwann stellte man ihm dann einen Wohnwagen hinters Hotel, bis eines Tages sein Protegé Frank Sinatra sagte: Sammy Davis Jr. wohnt ab sofort im selben Hotel wie ich!“.
Im wahrsten Sinne des Wortes übt Oliver Perau den Spagat zwischen zwei Welten: Seine umjubelten Auftritte als Entertainer Juliano Rossi in Rat-Pack-Manier brachten ihm einen Vertrag beim weltberühmten Jazzlabel Blue Note Records ein - als Frontmann von Terry Hoax stellt er seine Qualitäten als Rocksänger unter Beweis. Wie Superstar David Lee Roth, der mühelos Rock- und Swing-Titel singen konnte, verfügt der Hannoveraner über eine verblüffende Bandbreite gesanglichen Ausdrucks. „Früher ging es eigentlich nur darum, mit der Stimme durchzukommen, irgendwie hörbar zu sein und nach Möglichkeit die Töne zu treffen. Dabei geht natürlich viel verloren. Im Jazz kann sich ein Sänger viel eher eine Blöße geben, aber auch besser entfalten."
Oliver Perau spielt er seine außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit gern herunter. „Für mich sind es dieselben Stimmbänder. Ich muss eigentlich nicht mehr tun, als einen kleinen Schalter umzulegen. Ich glaube, dass ich tatsächlich zwei Gesangsstile beherrsche. Bei Terry Hoax versuche ich die Stimme halt angezerrt klingen zu lassen.“
Mit dieser Band ersang er sich einst alle Voraussetzungen für eine Karriere als Rockstar. Den Entschluss, sie auf ihrem Sprung nach ganz oben zu verlassen und sich einer völlig anderen Musik zu widmen, will er nie bereut haben. „Am Anfang wurde ich belächelt und auch schon mal für verrückt erklärt“, sagt er. „Niemand konnte sich vorstellen, dass ich von solch einer Liebhaberei existieren könnte. Heute geht es mir unterm Strich besser als so manchem, der mir damals vom Jazz abgeraten hat.“
Was ist ihm im Zweifelsfalle wichtiger - die Solokarriere oder die Band? „Ich will versuchen, dass es sich die Waage hält. Ich glaube sogar an eine gegenseitige Befruchtung. Es gibt meines Wissens niemandem, der mit derselben Ernsthaftigkeit und Intensität Jazz und Rock singt. Das macht mich zum Exoten. Und irgendwann gehen wir dann gemeinsam auf Tournee.“
Im November und Dezember rockt Oliver Perau vorerst mit Terry Hoax die Häuser. Aber zwischendurch schickt ihn das legendäre New Yorker Jazzlabel Blue Note Records, das in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, als Juliano Rossi zum Feiern in die Clubs.
Olaf Neumann